Erschienen bei AH am 9.7.2012
Indien: Gratismedikamente –
Schlag für «Big Pharma»
Alex Rossi, Asienkorrespondent, Sky News
6. Juli 2012
Übersetzung Remo Santini
Die indische Regierung ist daran, einen Plan auszuarbeiten, Milliarden Pfund einzusetzen für die wichtigsten Medikamente für Patienten in Regierungsspitälern und Kliniken – das größte Programm seiner Art in der Geschichte.
Das richtungsweisende Projekt wäre ein weiterer harter Schlag für die westlichen Pharmagiganten, die sich bereits abstrampeln, im Land mit der zweitgrößten Bevölkerungszahl der Welt Fuß zu fassen.
Den großen pharmazeutischen Unternehmen des Westens – oder „Big Pharma“ – hat man auf dem Subkontinent seit langem einen Strich durch die Rechnung gemacht, da die Behörden den Medikamentenfabrikanten für Generika frei erlauben, billige Kopien von patentierten Medikamenten herzustellen.
Gemäß dem Programm, von dem man erwartet, dass es in den nächsten Monaten angenommen werden wird, wird es für die Ärzte obligatorisch sein, nur generische Medikamente einzusetzen. Wenn ein Arzt ein Markenmedikament verschreibt, wird er eine saftige Busse bekommen.
Analysten glauben, diese Politik wird bei den großen Pharmaunternehmen ein Überdenken ihrer anlaufenden Marketingstrategien bewirken. Im Moment geben Firmen wie Pfizer und GlaxoSmithKline ein Vermögen für Forschung aus, nur um zu sehen, wie ihre wertvollen Formeln von Generikaherstellern in Indien kopiert werden.
Spezialisten des Gesundheitswesens haben diese Politik jedoch begrüßt und erklären, dass dies ein wichtiger erster Schritt in Richtung eines universellen Gesundheitswesens sein könnte.
Indiens schnell wachsende Bevölkerung beträgt im Moment 1,2 Milliarden Menschen, genau hinter China. Zurzeit können die Leute in den Regierungsspitälern eine Gratisbehandlung bekommen, aber die Kosten für die Medikamente bedeuten für die Armen, dass viele die verschriebenen Behandlungsprogramme nicht befolgen können. Der Vorschlag für Gratismedikamente erstrebt dies zu korrigieren, aber da gibt es Bedenken darüber, wie wirkungsvoll die Politik in einem Land sein wird, wo die Korruption und die Ineffizienz verbreitet sind.
Der Missionschef von Ärzte ohne Grenzen in Indien, Pierangelo Gandini sagte: „Im Prinzip denken wir, der Plan ist eine gute Idee. Aber die Einführung mag sich problematisch erweisen, denn es muss weit mehr getan werden, da einige der Gesundheitsdienste im Land, besonders in ländlichen Gegenden, wo die Bedürfnisse am größten sind, noch immer nicht nach einem Minimumstandard arbeiten.“ Er fügte bei: „Wir haben Bedenken, ob der Plan richtig umgesetzt wird.“
Beamte des Gesundheitsministeriums geben an, dass über die nächsten fünf Jahre mehr als 2 Milliarden Pfund für die 350 wichtigsten generischen Behandlungen ausgegeben werden. Man erwartet, dass etwa die Hälfte der Bevölkerung von der neuen Politik profitieren wird.
http://uk.news.yahoo.com/india-free-drugs-policy-blow-big-pharma-074859248.html